| Inhalt | "Ein Hamburger Nachtasyl." (Katalog der Kultur- und Dokumentarfilme aus der Bundesrepublik Deutschland 1954-1959, S. 235)
"Der Film begleitet einen alten Mann den Tag über durch die Stadt und schließlich ins Nachtasyl, wo er mit anderen Obdachlosen bis zum Morgen eine Unterkunft findet. – Nur ein auf wenige Worte beschränkter Kommentar begleitet diesen Film, der uns Menschen zeigt, die obdachlos, arbeitsscheu, heruntergekommen oder asozial sind. - In Hamburg gibt es ein städtisches Nachtasyl. Abends öffnet es seine Pforten, um den nicht wenigen Männern, die die Arbeit verachten, für 30 Pfennig eine Unterkunft bis zum nächsten Morgen um 7 Uhr zu bieten. Der Kommentar spricht in einem Nebensatz vom "Mülleimer tausend verkommener Existenzen". Die Kamera übernimmt in diesem Film die Beobachtung der sehr unterschiedlichen Männer. Wir sehen sie an der Registratur vorbeiziehen: der junge Mann neben dem verbitterten Alten, der Gleichgültige neben dem Säufer oder dem, der in seinem Beruf gescheitert ist. Ihre Gesichtszüge verraten die wenigen Strebungen, die übrig blieben: Schlafen, Trinken, Kartenspielen, Zeitunglesen, Dösen und auf irgendeine Art zum allernotwendigsten Geld kommen. über allem bleibt die Trostlosigkeit spürbar. Diese Menschen scheinen keine Zukunft mehr zu haben. Ihr Antrieb ist erloschen und ihre Wesensart ließ sie abseits der Gesellschaft einen wertlosen Platz einnehmen. Diese Menschen gibt es aber in fast allen größeren Städten. "Nachtasyl" ist ein Versuch, dieser Welt näherzukommen. Die Kamera ist dabei stellenweise besser als die gesamte Aussage des Films. Auch überrascht die musikalische Interpretation des Themas. Die moderne rhythmisierte Musik Martin Böttchers, gespielt von einem guten Tanzorchester, versucht Monotonie auf der Basis der Großstadtklänge auszudrücken. Dadurch erhält der Film eine eigenwillige Kontrapunktik." (Filme für die Gruppenarbeit, H. II, 1963) |