| Inhalt | "Einmal hab’ ich so ein Interview mit einem Professor gelesen, der hat gesagt, angesichts einer Sonnenfinsternis würden auch noch die, würden auch die noch so geschwätzigsten Geister verstummen – und das wollte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen», spricht Jan Peters ins Mikrophon. In der Tat ist die Geschwätzigkeit für ihn Methode. Schon in November 1-30 (1998) und Dezember 1-31 (1999) füllte er täglich eine Filmrolle randvoll mit Dingen und Wörtern. Indem er die Welt mit Bildern und Sprache bezeichnete versuchte Peters, einen Bezug zwischen sich und ihr herzustellen und sie zu erforschen. Ein Prinzip, dem er sich neurotisch verschrieb und von dem er sich gleichzeitig selbstironisch distanzierte. Jetzt, In ich bin 33, schwätzt der Regisseur erneut über sich und die Welt. Während der Sonnen- finsternis des Jahres 1999 steht er auf einem leeren Stoppelfeld vor der Kamera, redet in einer fixen Einstellung ohne Unterbre- chung von der Apokalypse, seinem Alter und seinen Geldsorgen. Dabei karikiert er nicht nur die Weltuntergangspropheten und die Massenhysterie, welche das Naturereignis auslöste, sondern führt auch sein eigenes Kino ad absurdum: Wort und Bild geben nur noch vor, die Realität zu meinen. Die Sonnenfinsternis ist eine in Echtzeit ablaufende Fälschung. Die Filmzeit scheint zwar der realen Zeit des Naturereignisses zu entsprechen. In Wirk- lichkeit ist sie nichts als der Verweis auf eine vom Filmemacher erfundene Zeit. Und die über fünfzig Leute, von denen der Regisseur behauptet, sie stünden mit ihm auf dem Feld, sind in der weiten Totalen nie zu sehen und mit Sicherheit gerade nicht anwesend.Der Versuch, mit Hilfe von Zeichensystemen einen Bezug zwischen einem filmischen Ich und der Welt herzustellen, ist immer neu ins Groteske gesteigert. Dort zum Beispiel, wo Peters uns vor führ t, wie sich aus seinem Gebur tsjahr und seinem Alter das Datum der Sonnenfinsternis berechnen lässt. Oder wenn er, den Filmtitel einblendend, einen schwarzen Schatten über ihn legt, der aufs Naturereignis verweist. Am Ende von Ich bin 33 gesteht der Regisseur, die Sonnenfinsternis habe im Grunde nichts mit ihm und seinem Leben zu tun. Denn da beschäftige ihn vorallem eines: dass er Pleite sei." (es, Visions du Réel Onlinearchiv) |