| Pressereaktionen | "Über den Film
Geregelte Arbeitszeit? Ein Fremdbegriff. Privatleben? Nie ausgeschöpft. Ehen? Wenn, dann kaputt. Trotzdem würden sie jedes weitere Leben dem Zelluloid wid- men: acht Kleberinnen, Cutterinnen, wie es heute heißt, im Alter zwischen 70 und 91 Jahren. In Berlin haben sie an der Wiege des Tonfilms gestanden, haben dafür gesorgt, daß er überhaupt vorgezeigt wer- den konnte, und haben dabei, von den ihnen zugewiesenen Schattenplätzchen aus, glanzvolle Aufstiege am Filmhimmel verfolgt.
Heide Breitel und Eva Hammel, die Auto- rinnen des Beitrags, hatten leichtes Spiel. Es bedurfte nicht vieler Fragen, um dem illustren Damenkränzchen, das sich heute noch monatlich zum Kaffeeklatsch trifft, blumige Sätze zu entlocken. Mit der Herz- lichkeit echter Berliner Schnauzen ließen die ehemaligen Kolleginnen ein Erlebnis nach dem anderen lebendig werden.
Ihre Geschichten ergaben zusammenge- faßt die Geschichte eines Berufsstandes, ohne den Film- und Fernsehproduktionen bis heute nicht möglich wären. In liebens- werter Form erhellte dieser Film, daß hin- ter dem lapidaren und brutal klingenden Begriff „Cutterin" Menschen stecken, die weit mehr leisten, als den Schnitt. Mehr vielleicht, als mancher Leinwandheld, der sich in den Bildsequenzen des Filmstrei- fens tummelt.
Durch ihr kompromißloses Ja zu ihrem Beruf gehörten die Cutterinnen von gestern gewiß zu den ersten emanzipier- ten Frauen. Führungsaufgaben blieben ihnen jedoch verwehrt, wie mutmaßlich auch ihren Nachfolgerinnen bei dieser vom weiblichen Geschlecht geprägten Tätigkeit. Das zu problematisieren, er- sparten sich die Autorinnen jedoch. Ihr Beitrag zur Geschichte der Medien ver- dient Wertschätzung mehr unter feuilleto- nistischen Gesichtspunkten."
Elke Gürlich, Süddeutsche Zeitung, 23.2.1981 |