| Inhalt | "Das Erlebnis einer christlichen Stadt nennt Dr. Horst Dallmayr seinen Filmbericht, den er mit Kameramann Caspar R. Mayr vor und während der Kartage in Sevilla gedreht hat. In diesem Film aus einem Land, das als eines der frommsten und strengst katholischen der Welt gilt, wird, genau genommen, das Wesen der Frömmigkeit selbst untersucht. Einer Frömmigkeit wohlgemerkt, die nicht abgeschlossener Bezirk der Kirche und nicht vom Staat befohlen ist, sondern die sich überall im täglichen Leben und in den Festen des Lebens äußert. Sevilla ist eine christliche Stadt - wieviel heidnische Elemente aber stecken in ihren religiösen Gepflogenheiten, uralte lebendige Erinnerungen, die nachträglich getauft wurden? Fünf Einwohner der Stadt werden von der Kamera auf den Wegen ihres Alltags begleitet: ein Stierzüchter, ein Stierkämpfer, ein Friseur (da der "Barbier von Sevilla" einen guten Teil der - falschen - Vorstellungen des übrigen Europa von dieser Stadt geformt hat), ein Capataz (Vorarbeiter im Hafen) und ein Vermittler. Sie scheinen völlig beziehungslos zueinander ausgewählt, nur eben als Durchschnitt durch die Menschheit einer großen spanischen Stadt, doch immer wieder bringt das Leben dieser Stadt von selbst Anlässe, die sie alle vereinen. Da ist zunächst ein ländliches Fest, die Stierprobe in der Privatarena des Stierzüchters, bei dem auch die berühmten sevillianischen Flamenco-Tänze zu sehen sind. Die vorösterlichen Tage rücken heran, die Vorbereitungen zur Karwoche und die Prozessionen. Auch hier sind die fünf Männer dabei, jeder an seinem bestimmten Platz. Der Abend des Karsamstags vereinigt die Christen zur großen Liturgie in der Kathedrale. Am Ostermorgen läuten, wie überall in der Christenheit, alle Glocken. Am Nachmittag des Ostersonntags beginnen in Sevilla die Stierkämpfe, Überbleibsel des heidnischen Mitras-Kultes, seit Jahrhunderten aber Bestandteil des christlichen Festes. In den Aufnahmen vom Oster-Stierkampf in Sevilla werden die Zuschauer den berühmten Matador Ordonez sehen, den Hemmningsway ein ganzes Jahr lang begleitete, um Studien für ein Buch zu machen." (Deutsches Fernsehen: ARD-Pressedienst, Nr. 13, 1961) |